24.09.2019 / Medienmitteilung / /

Sparpotential bei der Bildungsverwaltung

Im Pfarreiheim Eschenz  führte die CVP Bezirk Frauenfeld einen weiteren  Anlass zum ihrem Jahresthema Kostenbremse durch. Im Zentrum der Diskussion stand dabei die politisch heikle Frage, ob sparen im Bildungswesen erlaubt sei und wenn ja, wo.

CVP – In seiner Begrüssung fand CVP-Bezirkspräsident Stefan Geiges klare Worte. Der Staat habe haushälterisch mit seinen Mitteln umzugehen, so auch im Bereich der Bildung. Die Gesellschaft toleriere dies aber nicht und wer im Bildungswesen sparen wolle, begehe politischen Selbstmord. Mit Kantonsrat Kilian Imhof (CVP, Balterswil) referierte ein profunder Kenner zum Thema Sparpotential im Bildungswesen. Imhof war 20 Jahre als Lehrer an Thurgauer Primarschulen tätig und wirkt heute als Schulleiter einer Primarschule im Kanton St. Gallen.
Gleich zu Beginn des Referates stellte er klar, dass die Schule im Thurgau ein sehr gutes Niveau aufweise, aber entsprechend auch etwas koste. Die Entwicklung der Schulfinanzen spreche eine klare Sprache. Imhof zeigte auf, dass der Aufwand für das Bildungswesen von 2007 bis 2017 um rund 70 Mio Franken angestiegen ist, während die Schülerzahlen von 2007 bis 2010 rückläufig waren und sich dann auf knapp unter 30‘000 Schülerinnen und Schülern stabilisiert haben. Mit dem prognostizierten Wachstum der Schülerzahlen ortet Imhof weiter steigende Kosten. In einem eindrücklichen Vergleich zeigt er auf, wie sich der Personalbedarf einer kleineren Schule im Verlauf der letzten 30 Jahre entwickelt hat. Spar- und damit Optimierungspotential ortet Imhof im Bereich der Integration, bei der Bildungsverwaltung und bei der Ausbildung der Lehrpersonen. Zudem stelle sich die Frage, ob mit einer besseren Elternbildung die Schule entlastet werden könnte. Dass die Lehrerinnen und Lehrer aber der wichtigste Garant der Schule seien, darüber waren sich auch die Diskussionsteilnehmenden einig.

Übertherapie, Integration und Lehrerlöhne
Die anschliessende Diskussion unter der Leitung von Thomas Lang zeigte wenig konkrete Sparmassnahmen auf. Für SP-Kantonsrätin Barbara Dätwyler sind Investitionen in eine frühe Förderung der Kinder unabdingbar, um später im Bereich von Therapien Einsparungen machen zu können. Ebenso brauche es familienergänzende Massnahmen, dies sei aber Sache der politischen Gemeinden. Urs Forster (FDP), Gemeindepräsident von Müllheim, griff auf seine Erfahrung als Lehrperson und Schulleiter zurück. Das Gesetz gebe den Auftrag der Schule klar vor, es fehle aber die Zeit für die Umsetzung. Ein Problem ortet er bei der kantonalen Bildungsverwaltung, welche über die Schulleitung das ganze System beübe. Hier sieht er Sparpotential, ebenso bei integrativen Massnahmen, welche teures Personal nach sich ziehen würden. CVP-Frau und Mutter Anja Scholz stellte das wohl der Kinder in den Vordergrund. Der frühe Kindergarteneintritt führe dazu, dass die Kinder oft nicht reif genug sind für den nächsten Schritt. Dies führe zu vielen Diagnosen und damit zu einer Übertherapie, was ein Kostenteiber sei. Aus Ihrer Sicht müsste der Kindergarteneintritt wieder ein Jahr später stattfinden. Fachlehrerin Sandra Stadler, CVP, brach eine Lanze für das duale Bildungssystem und stellte in Frage, ob es für alle Stufen der Lehrerbildung einen Hochschulabschluss brauche. Sie sieht klar den Kantonsrat in der Pflicht, um bei der kantonalen Bildungsverwaltung die Kosten zu optimieren. Klare Worte fand auch Kantonsrat Daniel Vetterli (SVP). Beim Wasserkopf der kantonalen Bildungsverwaltung gebe es noch einiges an Sparpotential. Im Bereich der Integration müsse differenziert werden, so Vetterli, da der Umfang der Integration in der Hoheit der Schulbehörden liege. Auf kommunaler Ebene gibt es zum Sparen wenig Handlungsspielraum, da der Hauptkostentreiber, die Lehrerlöhne, vom Kanton festgelegt würden.

Podium v.l.n.r. Barbara Dätwyler (SP), Urs Forster (FDP), Anja Scholz (CVP), Sandra Stadler (CVP) und Daniel Vetterli (SVP).